Facts & Fiction

Ok, Facts gibts nicht mehr. Aber mich gibts noch! Da sind wir nun quitt. Eigentlich kann ich mich ja nicht beklagen. Ich habe jetzt viele interessante Geschichten zu erzählen, zum Beispiel wie ich einmal von Facts gefeuert und per sofort freigestellt wurde. Hat schliesslich nicht jede erlebt. Gegen meinen damaligen Chef hege ich deswegen keinen Groll.

Da ich schwanger war, wurde es eine teure Sache für das Lohnbüro. Und meine Freunde bewunderten mich sowieso: Dafür, dass ich mich in die Mainstream-Höhle des Boulevard-Löwen gewagt hatte. Dafür, dass ich mich nicht angepasst hatte (es war mir allerdings auch beim besten Willen wirklich nicht gelungen!) und selten einmal für eine Geschichte in einem nationalen Blatt. Die meisten Ideen von mir wurden aber abgelehnt. Sie waren zu links, zu öko, zu feministisch, zuwenig massentauglich, ergo: Ideologie. Hingegen war es keine Ideologie, dass mein Redaktionsgötti eines Tages vorschlug, ich solle die Geschichte schreiben, wie der Feminismus versagt habe. Die Frauen seien überhaupt nicht emanzipierter als vorher. Sie verdienten immer noch weniger, seien immer noch nicht Chef. Sie wollten eben gar nicht. Die Emanzipation sei gestorben. Auf die Rückfrage: «Warum schreibst du die Geschichte nicht selber?» gibts natürlich nur eine logische Antwort: «Das muss eine Frau schreiben. Mir glaubt das keiner.» Könnte was dran sein …

Einmal, frisch gefeuert, schlich ich aufs Arbeitsamt. Entgegen kam mir im strömenden Regen: Der Ressortleiter. Der meine Entlassung in die Wege geleitet hatte. (Er nannte mich ein «weltfremdes Bildungsbürgertöchterchen» und prophezeite, dass meine nächste Geschichte so langweilig sei, dass sie es nicht ins Blatt «schaffen» werde. Wie er das wohl ahnen konnte??) War der nun etwa selber am Stempeln? Blick ins Impressum – Schadenfreude! So macht der Journalismus schlechte Menschen aus uns. Aber auch deswegen hege ich keinen Groll gegen meinen damaligen Chef.

Sie haben es wahrscheinlich gar nicht böse gemeint. Jedenfalls bin nur ich erschrocken, als einmal ein Auto anhielt, ein Fenster heruntergekurbelt wurde und das freundliche Gesicht des Stv. Chefs herausguckte, nach meinem Befinden sich erkundigend. Tja, was sagt man da? «Ich unterrichte jetzt wieder»? Lehrer sind eben sowas von blöd! Das wissen die Journalisten schon lange, denn im Gegensatz zu allen anderen haben sie in der Schule nämlich aufgepasst und gemerkt, wie doof und ungerecht die Pauker sind. Darum ist es nichts als die Wahrheit, wenn dann in einem Nachrichtenmagazin steht, Lehrer täten nichts, verdienten zuviel und hätten zu viele Ferien. Das sind die harten Fakten des Lebens, meine Herren!

Ich finde einfach: Man sollte nicht lügen. Wenn man selber eine vermurkste Skandal-Geschichte ohne jegliche Beweise auf Biegen und Brechen ins Blatt hieven will, weil sie bestimmt die Verkaufsquote hebt, dann sollte man später, am Fernsehen zur Rede gestellt, nicht sagen: «Ich gebe es zu, der Journalist hat einen Fehler gemacht.» Sondern man sollte sagen: «Ich gebe es zu, ich habe einen Fehler gemacht.» Das konnte mein damaliger Chef nicht. Und nur schon deshalb war das wohl wirklich nichts für mich. Pff, Facts!