Kürzlich las ich in der Zeitung – wird wohl wieder so ein Gratisblatt gewesen sein («Warum liest du den Müll überhaupt?», werden Sie jetzt einmal mehr fragen.) – item, da las ich: Nach der Generation X (sprich: ex) komme jetzt die Generation Y (sprich: uai). Was ich aber nicht mehr weiss: Ob das so ist, weil diese Generation immer «Why?» sagt – ein Volk von emsigen Hinterfragerinnen und Wissbegierigen also; oder weil sie vor dem Z die Vorletzte ist, die auf dem zugrunde gerichteten Planeten leben wird.
Ach, die Generationenfrage. Esther Maurer findet, den 17- bis 25-Jährigen sei das Rechtsverständnis entglitten. Ich finde, jede Generation hat die Jugend, die sie verdient. My Generation – das ist eine breite Masse, die sich in erstarrten Gesten pubertärer Rebellion nach Lust und Laune über das Legalitätsprinzip hinwegsetzt. Sei es beim Falschparken, beim Herumgüseln, beim Schnellfahren, beim Schwarzfahren, beim Schwarzarbeiterbeschäftigen, beim Steuerhinterziehen, beim Versicherungsbetrug, beim Steineschmeissen, beim Partydrogenverkaufen. Summa summarum eine Gesellschaft, die sich um ihre kollektive Wirkung auf die Jugend genüsslich foutiert. Dafür bieten wir ihr einen Justizminister, der Raser und Rassisten in Schutz nimmt; eine Sparpolitik, die das Bildungswesen ausblutet; eine Kindheit vor dem Bildschirm mit Inhalten von belanglos bis verrohend; Medien, die quotengeil jeden Tabubruch zelebrieren. Ohne Zweifel: Little sister is watching us, and she’s learning fast …
Zum Beispiel aus der Zeitung. Wie sagt doch das geflügelte Wort, mit dem der Journalismus gerne kokett seinem Zynismus flattiert: «Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern.» Neu gilt auch: «Nichts ist so wertlos wie die Zeitung von heute», insbesondere: von «Heute». Oder sagen wir meinetwegen «wertfrei», so wie das Stelleninserat in eigener Sache den geeigneten Heute-Journalisten beschreibt. Wild ins Kraut schiessende Werte, etwa jene zurückgebliebener LeserbriefschreiberInnen, werden hier postwendend zurechtgestutzt. Und Obacht: Chef schiesst scharf! Die modefuzzig überteuerten Klamotten an Teenagern in der Rubrik «Streetstyle» stören Sie? Das tragen dänk die Kids von heute, (Sie Trottel), und die Zeitung bildet nur ab! Die abgerissene Hand im Krokodilmaul auf der Titelseite hat Ihrem Kind den Schlaf geraubt? Es soll halt lesen, unter dem Bild steht ja, sie wurde wieder angenäht, (Sie Zimperliese), so roh ist eben die Welt!
Nun, ich lese solchen Müll erstens, weil ich auch eine Müllerin bin (ererbte Berufskrankheit sozusagen), und da muss ich doch wissen, was meine Generation täglich in Umlauf bringt. Damit ich zweitens auch weiss, was unsere Jugend tatsächlich aus der Zeitung lernt. Denn drittens amüsiert mich, dass die Blätter trotz eingekauftem Korrektorat und grossen Inseraten desselben («Ein fehlerfreier Text ist die beste Visitenkarte Ihres Unternehmens») kaum einen Artikel ohne derbste Druckfehler und desolates Deutsch zustande bringt. Aber vielleicht ist das nichts anderes als Rebellion gegen den Rechtschreibterror, ein Bruch mit dem Tabu der Versklavung durch Grammatik, die Revolution der Generation D (sprich: Dod dem Duden!).