Puff mit 16?

Mit sechzehn ist man im vierten Gymi oder im ersten Lehrjahr oder vielleicht noch in der dritten Sek. Als Lehrling muss man nur von 8 bis 17 Uhr arbeiten. Im Restaurant bekommt man zwar Bier, aber keinen Schnaps. Die Rössli-Bettwäsche aus dem Versandkatalog gibts nur mit Unterschrift der Eltern. Man darf noch zwei Jahre lang nicht Auto fahren. Man darf sich jedoch mit sechzehn schon prostituieren.

Während das europäische Ausland das Mindestalter für Prostitution in den nächsten Jahren auf achtzehn anheben will, soll es in der Schweiz bei sechzehn bleiben. Kinderschutzorga­nisationen machen sich auch hierzulande für eine Erhöhung stark, um dem drohenden Kindersextourismus in die Schweiz einen Riegel zu schieben. Es gibt aber auch Leute, die es ok finden, wenn Mädchen sich prostituieren. Der Kinder- und Jugendpsychologe Allan Guggenbühl zum Beispiel. Viele 16-Jährige seien keine Kinder mehr. Das mag für einige zutreffen, andere sind es aber wohl. Eventuell liegt ja gerade darin der Reiz für gewisse Freier. Laut Guggenbühl ist das Mindestalter 18 für Prostitution realitätsfremd. Das stimmt leider, denn das weltweite Durchschnittsalter für den Einstieg in die Prostitution liegt bei 14 Jahren. Aber ist das auch gut so?

Wir stellen uns jetzt mal eine Sechzehnjährige vor. Zum Beispiel Ihr Göttikind. Oder Sie selber, als Sie noch so jung waren. Oder Herrn Guggenbühls Tochter (oder hat er nur Söhne?). Oder eine Jugendliche, die den Herrn Psychotherapeuten Guggenbühl in der Erziehungsberatung der Stadt Bern aufsucht. Verschiedene Themen stehen im Raum.

Wo rekrutiert sie am besten ihre Kundschaft? Zum Beispiel in der Zeitung: Jung zieht immer, da hat sie die Inseratekosten schnell wieder drin! Sie könnte sich aber auch Gleichaltrigen anbieten, also Schulkollegen oder Mit-Lehrlingen, oder ihrem Chef, warum auch nicht? Ist ja alles legal und bezahlt, also keine Ausbeutungsgefahr. Wenn Diskretion doch gewünscht ist, bietet sich der Auto-Strich an. Dann ist auch gleich das Problem gelöst, wo man einander näher kommen soll. Denn das Kinderzimmer ist nicht in jedem Fall ideal, das gibt nur Puff daheim. Man kann natürlich auch in einem Bordell arbeiten, da lernt man sicher viel und muss sich nicht um Kundschaft bemühen. Wahrscheinlich bleibt dann nicht so viel vom Geld übrig. Dafür hat man bald einen neuen Freundeskreis: Zuhälter, Dealer, Kleinkriminelle usw.

Fragt sich auch, wie das neben der Lehre bzw. dem Gymi zeitlich drin liegt. Ich stell mir das so vor: Schule aus, endlich zu Hause. «Halo Mami, ich bring nur kurz die Mappe heim, muss gleich wieder los, anschaffen gehen!» – «Ist gut, aber streng dich etwas mehr an als gestern, du schuldest mir noch Geld für den neuen Computer!» (strenge Mutter); «Aber bleib nicht zu lange, du musst noch auf die Biologie-Prüfung lernen und dein Zimmer aufräumen!» (fürsorgliche Mutter); «Ok, viel Spass! Ich stell dein Essen in die Mikrowelle» (permissive Mutter).

Vielleicht erübrigt sich aber auch eine anderweitige Berufsbildung. Wenn Prostitution schon bald ein richtiger Beruf wird, kann unsere Sechzehnjährige ja gleich die Lehre im Puff machen. Die Aufmerksamkeit ihrer Mitschüler ist ihr gewiss, wenn sie in der zweiten Sek einen Vortrag hält über ihre Schnupperlehre im Bordell …