Woran merkt eine Frau, dass sie langsam alt wird? Nein, falsch geraten: nicht an den Falten und auch nicht an den grauen Haaren. Zwei ganz andere Phänomene weisen unsereiner den Weg ins Greisinnen-Dasein. Erstens: Wir verstehen die Welt nicht mehr! Wo, bitte, gehts hier zum Ausgang? Zweitens: Das andere Geschlecht erscheint uns immer infantiler.
Früher wars doch irgendwie so: Die Männer hatten das grössere Hirn, mehr Muckis und den längeren Schwanz. So markierten sie die unzimperlichen Besserwisser, Recht- und Machthaber. Zuhause hielten sie sich ein hysterisches schwaches Weib, das in Affenliebe die Kinder verzog, in unmündiger Abhängigkeit dem Patriarchen unterworfen war und halt ab und zu Prügel oder auch mal eine eheliche Vergewaltigung einstecken musste. Nun ja, so war das eben damals. Und glauben Sie mir: Rechte Männer hat das gewiss nicht gestört.
Aber heute – schwupp! – ist das alles ganz anders. Wir reiben uns die Augen: Es ist keine Fata Morgana. Wir Frauen haben jetzt tatsächlich die Weltherrschaft inne. Köppel wusste es wieder zuerst: «Mittlerweile ist es der Mann, der sich gegen die rabiat in seinen Biotopen wildernden Frauen ein paar Quadratmeter Weideland zurückerobern muss.»
So ein Biotop ist der Primarlehrberuf: «Frauen mit 78 Prozent in der Überzahl», schreit «20 minuten» zum Himmel. «Männer wachsen die ersten 10 Jahre ohne männliche Vorbilder auf», legt das Netzwerk schulische Bubenarbeit den Finger in die Wunde. «Wir überlegen uns eine Männerquote», überlegen laut auch Lehrerinnen im «Fritz und Fränzi». «Der Lehrberuf muss attraktiver werden, z. B. mit höherem Lohn», fordert Zemp vom Lehrerverband. Unterdessen rätseln alle, wie es zur Katastrophe kommen konnte. Es kann ja nicht daran liegen, dass die Lehrerinnen schon als Mädchen früher lernbereit waren, mehr soziale Kompetenz hatten, die bessere Matura schrieben (trotz 60 Prozent Gymilehrern), öfter studierten (trotz 97 Prozent Dozenten), sich mit weniger Lohn zufriedengeben und lieber Teilzeit arbeiten. Denn Männer haben ja schliesslich das grössere Hirn etc. (siehe oben) …
Der Mann – unser aller ewiger kleiner Bruder: So hat ers einfach nicht gemeint! «Dem Tüchtigen lacht das Glück.» – Ja, o.k., das hat er mal gesagt. Aber da waren die blöden Weiber nicht mitgemeint. So machts ihm keinen Spass mehr. Da weigert er sich glatt, erwachsen zu werden. Denn wenn der Mann schon all den Weicheierkram macht (büffeln, Vorbild sein), dann will er dafür mindestens den höheren Lohn oder sonst eine Extrawurst erobern: z.B. Stützunterricht für Knaben oder keine Mädchen in der Klasse oder Bubenarbeit mit dem inneren Krieger, Sieger, Indianer. Doofe Streberinnen, die in seinen Jagdgründen wildern. Doofe Muttis, die keine Vatis sind. Er muss mal wieder laut rumstänkern, dann halt die kleine Schwester verhauen, vernehmlich am Tisch furzen und drei Tage lang schmollen. Hat bis jetzt immer funktioniert.
Doofmutti und Streberin fühlen sich aber leider unterdessen zu alt, um dem infantilen Mann subtil auf die Sprünge zu helfen. Kleine Schwestern: Bitte antreten zum Arschtreten.